Vietnam – Eine Revolution als Ausstellung

In einem fast 20 Jahre währenden Krieg konnten sich letztlich die Kräfte durchsetzen, die für die Befreiung und die Unabhängigkeit Vietnams gekämpft haben, und damit der wichtigsten imperialistischen Kraft einen Sieg abringen, obwohl diese mit den allen – auch den dreckigsten – Mitteln den Krieg gewinnen wollten. Das vietnamesische Volk und ihr Widerstandswille ließ sich aber nicht brechen.

Nicht zuletzt aus diesem Grund spielte der Vietnamkrieg für die 68er Bewegung eine große Rolle und wurde so zum positiven Bezugspunkt aller fortschrittlichen Kräfte weltweit. Diese organisierten internationale Solidarität mit Vietnam und nutzten diese auch für die Entwicklung einer eigenen revolutionären Praxis.

Der Sieg des vietnamesischen Volks und der Revolutionäre rund um Ho Chi Minh über die USA gilt bis heute in der Linken als Beweis dafür, dass auch der US-Imperialismus besiegt werden kann.

Beim internationalistischen Abend im Januar greifen wir dieses Thema auf und widmen uns dem Vietnamkrieg und der erfolgreichen Befreiung Vietnams mit Hilfe einer Ausstellung zur Geschichte des Kampfes – sowohl in Wort und Bild, als auch in Postern der Revolution selbst. Abgerundet wird der internationalistische Abend durch ein vietnamesisches Gericht.

Datum: 10. Januar 2020

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Kolonialgeschichte Vietnams (eine kurze Zusammenfassung)

Die Kolonialgeschichte Vietnams begann 1858 mit der Besatzung der Zentralvietnamnesischen Hafenstadt Da Nang. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Europäischen Großmächte wenig Interesse an der Region da die aus ihrer Sicht verarmte Bevölkerung für den Handel uninteressant erschien. Erst als Landweg nach China und für die Sicherung des Seeweges erweckte die Region ein geostrategisches Interesse. Während zu Beginn der Kolonialisierung die vietnamesische Armee erfolgreich Widerstand leistete und es gelang die Franzosen aus Da Nang zu vertreiben, siedelten diese sich ab 1860 in Saigon an von wo aus sie in den folgenden Jahren ihre Herrschaft stetig ausweiteten.

Bis ins Jahr 1907 gelang es der französischen Besatzungsmacht ihr Kolonialreich über die Staaten Laos, Kambodscha und ganz Vietnam auszudehnen und die Gesamte Region Indochina zu kontrollieren.

Die gesamte Zeit über leistete die bäuerliche Bevölkerung mit Guerilla Aktionen wiederstand auf welche die Besatzer mit aller Härte reagierten. Die französischen Kolonialherren schafften ein zentralisierten Verwaltungs- und Repressionapparat welcher bis 1945 fast unverändert bestand. Mit der Erhebung zahlreicher Steuern, Enteignungen und der Verhängung von Zwangsarbeit verschärfte sich die Lage der lokalen Bevölkerung mehr und mehr.

Mit der Oktoberrevolution in Russland erhielt die Widerstandsbewegung neue Einflüsse und erlebte einen Aufschwung der zur Gründung neuer Widerstandsgruppen führte, denen sich nun auch zahlreiche bürgerliche intellektuelle und ArbeiterInnen anschlossen. Neben den zahlreichen nationalistisch geprägten zusammenschlüssen entstanden nun die rrsten kommunistischen Organisationen in der Region, unter anderem die Kommunistische Partei Indochinas unter Führung Ho Chi Minhs. Das Kolonialregime antwortete wie gewohnt mit aller Härte, verwehrte der Bevölkerung jegliche bedeutende politische Partizipation und versuchte die Aufstände blutig niederzuschlagen.

Im Zuge des zweiten Weltkrieges begannen ab 1940 japanische Truppen das französische Kolonialgebiet nach und nach zu besetzen und die „alten“ Kolonialherren faktisch zu entmachten. Diese Situation spielte den um Unabhängigkeit kämpfenden Vietnamesen zu. Vor allem die kommunistischen Kräfte erhielten in dieser Zeit starken Zulauf.

Mit der Kapitulation Japans im zweiten Weltkrieg entstand ein Machtvakuum das die Viet Minh zu nutzen wussten. In der Augustrevolution gelang es nach und nach die Kontrolle über weite teile des Landes zu gewinnen. Mit der Unabhängigkeitserklärung am 2. September 1945 proklamierte Ho Chie Minh die Demokratische Republik Vietnam. Jedoch beharrte Frankreich weiter auf „seine“ Kolonie.

Nur kurze Zeit nach der Unabhängigkeitserklärung kam es zu ersten Kampfhandlungen zwischen der neu gegründeten Republik und den restlichen Kolonialtruppen Frankreichs. Infolgedessen begann der Indochinakrieg der über Neun Jahre andauerte.

Erst mit der Indochina Konferenz 1954 endete offiziell die Kolonialherrschaft Frankreichs. Jedoch nicht der Krieg.


Indochina Konferenz

Als gegen Ende der 40er Jahre der militärische Druck seitens der Vieth Minh auf das französische Kolonialregime immer weiter zunahm sahen sich diese dazu genötigt vor allem die nördlichen Regionen Vietnams zu verlassen. Um sich einen Rest Einfluss zu erhalten und der militärisch völlig aussichtslosen Situation zu entkommen, wurden seitens der Kolonialmacht Frankreich Verhandlungen angestrebt welche in der Indochina Konferenz 1954 in Genf mündeten.

Während der Verhandlungen wurde in Indochina weiter Krieg geführt, in welchem die französische Armee bei Dien Bien Phu eine vernichtende Niederlage erlitt.

Unter Aufsicht der UN begannen die Verhandlungen an denen unter anderem Frankreich, die USA, die Sowjetunion, VR China und die Kommunistische Partei Indochinas teilnahmen. Nach zähen Verhandlungen wurden am 21. Juni 1954 die Beschlüsse der Konferenz verlesen.

Nach diesen sollte Vietnam für zwei Jahre am 17. Breitengrad in Nord und Süd unterteilt werden. Der Süden fiel dem unter westlichem Einfluss stehenden Kaiser Bao Dai zu. Nach Ablauf dieser Frist wurden für 1956 Freie Wahlen vereinbart. Für Vietnam wurde ein Waffenstillstand ausgerufen.

Die Viet Minh sollten sich in den Norden zurückziehen und Frankreich sich aus allen Gebieten seiner jetzt ehemaligen Kolonie zurückziehen. Sowohl die Viet Minh als auch die Französische Regierung hielten diesen Teil der Vereinbarung ein. In Folge dessen erhielten auch die Staaten Kambodscha und Laos formal ihre Unabhängigkeit.


Wer war Ho Chi Minh?

Ho Chi Minh (19.05.1890-02.09.1969) war ein Revolutionär und Gründer der Kommunistischen Partei Indochinas. Er ist eine der bedeutendsten Personen in der Geschichte um die Befreiung Vietnams. Sein Name ist untrennbar mit dem Jahrzehnte andauernden Kampf für Freiheit und Selbstbestimmung verknüpft. Geboren in der mittelvietnamnesischen Provinz Nghe An wuchs er als Sohn eines konfuzianischen Gelehrten und Lehrers auf. In jungen Jahren wurde Ho als wissbegieriger Schüler beschrieben und er äußerte sich oft ablehnend gegen die französische Kolonialherrschaft. 1906 nahm er an einer Demonstration der Landbevölkerung teil, welche von der französischen Armee unter Schüssen aufgelöst wurde. Ho galt als einer der Anführer der Proteste und wurde deshalb am nächsten Tag von der Schule verwiesen.

Durch seine persönlichen Erfahrungen mit dem französischen Kolonialregime politisierte er sich, heuerte in Saigon auf einem französischen Dampfer an und besuchte in den nächsten Jahren zahlreiche Städte in Europa, den USA und Asien. Viele seiner Stationen sind dabei bis heute undokumentiert. Erst ab 1919 sind viele seiner Stationen und Tätigkeiten belegt, da ihn ab diesem Jahr die französische Geheimpolizei überwachte. Während seiner Zeit in Paris, schloss er sich der Sozialistischen Partei Frankreichs an und setzte sich für die Mitspracherechte der Kolonien ein. Als sich die Sozialistische Partei Frankreichs in eine radikalen und einen reformistischen Flügel spaltete, schloss sich Ho den Radikalen an. Durch den Kontakt mit den Schriften Lenins entwickelte er sich zum Revolutionär.

Nach der Erklärung Lenins auf dem zweiten Kongress der Komintern, das sich die Kommunistischen Parteien mit den demokratisch antikolonialen Bewegungen verbünden sollen, schlug Ho Chi Minh einen Weg ein, den er bis zu seinem Lebensende verfolgte: Den Kampf um ein befreites Vietnam mit kommunistischer Perspektive.

Seine nächste Station war Moskau, wo er sich an der kommunistischen Universität der Arbeiter des Ostens ausbilden ließ und den Ansatz vertrat, dass die führenden kapitalistischen Länder der Welt einen großen Teil ihrer Macht durch die Unterdrückung und Ausbeutung ihren Kolonien erhalten. Dementsprechend nimmt die dortige bäuerliche Bevölkerung ein zentraler Baustein der Weltrevolution ein. In den folgenden Jahren bildete Ho junge Menschen in Kanton aus und lehrte den Marxismus. Viele seiner Schüler waren später an der Gründung der Kommunistischen Partei Vietnams beteiligt.

Er selbst spielte ab 1930 eine wichtige Rolle in der Kommunistischen Partei Indochinas. In dieser Zeit wurde er von britischen Behörden in Hong Kong verhaftet und unter ungeklärten Umständen wieder freigelassen. Während seiner Abwesenheit hatte ihn die französische Kolonialregime zum Tode verurteilt und aus Vergeltung für Aufstände sein Heimatdorf zerstört.

1941 kehrte er nach Vietnam und beteiligte sich an der Gründung der Viet Minh und schloss sich dem bewaffneten Kampf gegen die japanische Besatzung und das französische Kolonialregime an. Mit der Kapitulation Japans leitete Ho die Augustrevolution in Vietnam ein, die mit der Ausrufung der unabhängigen Republik Vietnam endete. Ho Chi Minh wurde Premierminister und Präsident der Demokratischen Republik Vietnam.

Nur wenige Zeit später (1946) versuchten die Franzosen Nordvietnam erneut zu besetzen und der Indochina Krieg (bis 1956) begann, welche im folgenden Krieg (1955-1975) mit Südvietnam und den USA überging. Somit ging der Kampf für die Unabhängigkeit und Freiheit Vietnams weiter. Bis zu seinem Tod 1969 war Ho Chi Minh eine treibende Kraft im Kampf um Befreiung und die Wiedervereinigung von Nord- und Südvietnam.


Kommunistische Partei Indochina, Kommunistische Partei Vietnam, Viet Minh

Die Kommunistische Partei Vietnams wurde am 18. Februar 1930 mit Unterstützung der Komintern unter Leitung von Ho Chi Minh ins Leben gerufen. Um der Repression der französischen Behörden zu entgehen fand die Gründung in Hong Kong statt. Noch im selben Jahr fand die Umbenennung in Kommunistische Partei Indochinas statt. Als übergeordnete Ziele wurden die Überwindung der französischen Kolonialherrschaft und des Kapitalismus ausgegeben. Im Programm fanden sich Forderung wie die des Acht Stunden Tages, die Verstaatlichung der Industrie und des Bankensystems, die Alphabetisierung der ländlichen Bevölkerung als auch die Gleichstellung von Mann und Frau. Durch die Praxis kleine und mittlere Landbesitzer in die Partei aufzunehmen und die Priorisierung auf die nationale Unabhängigkeit Vietnams agierte die Partei früh außerhalb der Linie der Komintern.

Im Jahr 1930 begann die Partei nach mehreren spontanen Streiks und Protesten in mehreren Provinzen mit dem Aufbau von Bauernräten den sog. Nghe-Tinh-Sowjets. Diese begannen mit der Umsetzung des Parteiprogramms und brachten unter anderem Landreformen, Alphabetisierungsprogramme und Arbeitszeitverkürzungen auf den Weg. Die erfolgreiche Arbeit der Partei, innerhalb eines Jahres wurden 31 Sowjets gegründet, zog schon bald die Aufmerksamkeit der französischen Kolonialherren auf sich. Diese zerschlugen die Bewegung mit brutaler Gewalt. Innerhalb kürzester zeit wurden ca. 9000 Menschen inhaftiert und mehrere tausend Menschen ermordet. Alle Mitglieder des Zentralkomitees waren inhaftiert oder tot.

Ho Chi Minh und die sich in Freiheit befindenden Parteimitglieder flohen 1931 nach Hongkong und führten ihre Arbeit von nun an im Ausland fort. Trotz ihrer Abwesenheit gewann die Partei in Vietnam weiter an Popularität, da sie sich als einzige Kraft konsequent gegen die Kolonialherrschaft stellte.

In ihrer Zeit im Exil wurde die Partei trotz inhaltlicher Widersprüche in die Komintern aufgenommen und bekräftigte ihr Ziel zur Fortführung des Klassenkampfes. In den folgenden Jahren schloss die KP auf Weisung Moskaus zahlreiche Bündnisse mit anderen politischen Organisationen und gründete im Jahr 1941 die Viet Minh, die Liga zur Unabhängigkeit Vietnams. Diese vereinte zur Zeit des Zweiten Weltkrieges ca. 5000 – 7000 Widerstandskämpfer, welche sich sowohl gegen die französische als auch die japanische Besatzung zur Wehr setzte.

Auf dem zweiten Parteitag 1951 benannte sich die Partei in „Partei der werktätigen Vietnams“ (PdWV) um und verfolgte primär das Ziel die französische Kolonialherrschaft endgültig zu beenden, welches sie im Indochina Krieg erreichte. Die PdWV wurde zur führenden Kraft der Demokratischen Republik Vietnams (1945-1954).

Seit 1976 trägt die Partei ihren heutigen Namen „Kommunistische Partei Vietnam“ und stellt als einzig legale Partei die aktuelle Regierung Vietnams.


NLF/Vietkong

Die Nationale Front für die Befreiung Südvietnams (NLF eng: National Liberation Front) war eine Guerillaorganisation, die zwischen 1960 und 1977 existierte und während dieser Zeit gegen das südvietnamesische Marionetten-Regime und die US Armee kämpfte. Von ihren Gegnern wurden sie mit dem negativ belegten Begriff „Vietkong“ bezeichnet. Was grob mit vietnamesischer Kommunist übersetzt werden kann.

Bereits in den Jahren 1956/57 hatten sich Bauern zu kleineren Guerillagruppen zusammengeschlossen, um gegen die Landreformen des Diem Regimes zu kämpfen. In den folgenden Jahren schlossen sich mehr und mehr Menschen dem bewaffneten Widerstand an. Unter ihnen waren Mitglieder der Kommunistischen Partei, aber auch Buddhisten und Katholiken, so dass die Organisation sehr Heterogen aufgestellt war.

Bis in das Jahr 1960 richteten sich ihre Aktionen vor allem gegen Beamte des Diem Regimes.

Im März 1960 trafen sich unteranderem VertreterInnen der Viet Minh, der Kommunistischen Partei, Buddhisten und Katholiken zu einer Konferenz zusammen welche in der Gründung der Nationalen Front zur Befreiung Südvietnams mündete. Ihr Programm umfasste unter anderem Forderungen wie die Gleichstellung der Ethnien, Geschlechter und Religionen aber auch die Absetzung des Diem Regime, die Zurückdrängung des US Amerikanischen Einflusses und Landreformen. Die Kämpfenden Kräfte erhielten den Namen Volksbefreiungsarmee.

In den folgenden Jahren intensivierte die Guerilla ihre Angriffe gegen die Marionetten Regierung und führte zunehmend Gefechte gegen die ARVN (Truppen des Diem Regimes) bei denen sie die militärische Initiative behielt.

Neben den KämpferInnen umfasste die Organisation zahlreiche Massenorganisationen mit dem Ziel eine breite Basis in der Gesellschaft aufzubauen. Diese waren nach Geschlecht, Beruf und Alter strukturiert, so dass sie Organisationen für Jugendliche, Bauern, ArbeiterInnen und Intellektuelle umfasste, in denen sich mehre Millionen VietnamesInnen organisierten. Finanziert wurde die NLF durch abgaben die in Befreiten Gebieten erhoben wurden.

Ab 1968 erhielt die NLF Unterstützung durch Reguläre Truppen der NVA (Nordvietnamesische Armee) und versuchte ihr Einflussgebiet was sich bis dahin hauptsächlich im Mekong Delta befand auszudehnen. Auf ihrem Höhepunkt umfasste die Guerilla ca. 300.000 KämpferInnen. Jedoch war ihr Kampf stets von hohen Verlusten geprägt. So kostete allein die Tet Offensive 40.000 Guerilla KämpferInnen das Leben.

Spätestens mit dem Eintritt regulärer US Truppen in die Kämpfe musste die NLF immer öfter die Initiative abgeben und verlor zunehmend an militärischer, wirtschaftlicher und personeller Stärke. Erst ab dem Jahr 1972 gelang es ihr wieder in die Offensive zu kommen.

In den Friedensverhandlungen 1973 in Paris wurde die von der NLF gebildete provisorische Revolutionäre Regierung der Republik Südvietnam faktisch anerkannt. Nach dem Krieg wurde die NLF 1977 aufgelöst.


Tet Offensive

Die Tet Offensive bezeichnet einen gemeinsamen Überraschungsangriff der NVA und der FNL. Dieser fand zu einer Zeit statt, in der die US Administration davon ausging, dass die südvietnamesischen Kämpfer bereits erheblich geschwächt sind. Dementsprechend handelte es sich aus sich der USA um eine Frage der Zeit bis der südvietnamesische Widerstand endgültig besiegt ist. Diese Haltung wurde mehrmals von der US Regierung und dem Militär öffentlich geäußert.

Auf Seiten der NVA und der FNL beteiligten sich ca. 80.000 – 100.000 KämpferInnen, die zeitgleich an 100 verschiedenen Orten angriffen. Unter erheblichen Verlusten gelang es bedeutsame Orte wie die ehemalige Kaiserstadt Hue kurzfristig einzunehmen. In Saigon erfolgte ein Angriff auf die US Botschaft.

Dem US Militär gelang es innerhalb weniger Tage bzw. Wochen alle angegriffenen Orte zurückzuerobern und der Vietnamesischen Befreiungsbewegung eine enorme Niederlage zuzufügen.

Jedoch hatte die Offensive eine enorme Wirkung auf die Öffentlichkeit. Die vereinten Kräfte aus Nord (NVA) und Südvietnam (NLF) hatte ihre enorme Aktionsfähigkeit unter Beweis gestellt. Dies zeigte auch in der US Öffentlichkeit Wirkung. Vielen Befürworter des Angriffskrieges gegen Vietnam wurde Klar das sich das Land nicht so schnell geschlagen geben würde wie erhofft. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Frage ob der Krieg überhaupt zu gewinnen sei immer öfter gestellt. Zusätzlich kamen immer mehr berichte über Kriegsverbrechen der USA bzw. des Südvietnamesischen Regime an die Öffentlichkeit. Dadurch geriet die Öffentlichkeit ins Zweifeln und die Rückfront der USA geriet ins Wanken.


Während bzw. nach dem Krieg erhielten vor allem zwei Begriffe aus der US Kriegsführung traurige Bekanntheit. Mit Search and Destroy wird eine Taktik des US Militär beschrieben, welche sich nicht auf die Übernahme eines bestimmten Gebietes konzentriert, sondern das „Search and Destroy“ möglichst vieler feindlicher Kräfte zum Ziel hat. Wurde ein vietnamesisches Dorf als NLF Basis ausgemacht oder der Zusammenarbeit mit dieser bezichtigt, rückten Mobile Kräfte aus um dieses von feindlichen Kräften zu „Säubern“. Oftmals wurde bei diesen Einsätzen ganze Dörfer ausgelöscht.

In Verbindung mit dieser Taktik wurden während der gesamten Zeit des Krieges sog. „Free Killing Zones“ ausgerufen. In diesen wurden alle sich aufhaltenden Menschen als Feinde behandelt. Auch Kinder.

Oftmals wurden hier im Überfliegen wahllos Menschen beschossen. Kampfflugzeuge die ihre Bomben während ihrer Angriffe nicht vollständig abgeworfen hatten nutzten diese Zonen um ihre restliche Fracht loszuwerden.

Um die Effizienz der „Search and Destroy“-Taktik zu bewerten und die individulle „Leistung“ einzelner Soldaten festzuhalten, wurde während des Krieges von der US Armee der sogenannte „Body Count“ also das Zählen der Leichen gegnerischer Kräfte eingeführt. Dabei wurden dies in drei Kategorien eingeteilt.
A: nordvietnamesische Soldaten und Kämpfer der FNL

B: „Schlafende“, also inaktive FNL-Kader
C: Personen, die „in irgendeiner Weise“ mit der FNL zusammenarbeiteten.

Besonders die letzte Kategorie führte dazu, dass die US Armee zahlreiche Zivilistinnen ermordete. Praktisch jede/r getötete Vietnamesin und Vietnamese konnte als vernichteter Feind ausgegeben werden und verbesserte damit die persönliche Chance befördert zu werden. Durch das Massaker von My Lai, das durch einen US Journalisten dokumentiert wurde, gelang diese Praxis der US Armee in die Öffentlichkeit.

Jahre nach dem Krieg bezeichnete der CIA Agent K. Barton Osborn, der für dieses Programm mitverantwortlich gewesen war, diese Praxis mit folgenden Worten:

Wenn man nach der Body-Count-Mentalität handelte und die Quoten erfüllen wollte, dann war das nur durch die Gruppe C zu schaffen – und das war einwandfrei Völkermord


Eine kurze Chronologie

1939
Verstärkte Repression gegen kommunistische Organisationen seitens der Kolonialmacht

1940
Erste Stationierung japanischer Truppen in Folge der Kapitulation Frankreichs

1941
Ho Chi Minh kehrt aus dem Exil zurück.

1940-1945
Japanisch-Französische Doppelverwaltung

1945
Der amerikanische Geheimdienst OSS unterstützt die Viet Minh in geringem Umfang mit Waffen und medizinischer Versorgung.

1945
Japanische Alleinherrschaft

02. September 1945
Proklamation der Demokratischen Republik Vietnam

1946
Abzug Japanischer Truppen

November 1946
Beginn des Indochina Krieges

bis 1947
Verdrängung der Viet Minh aus Hanoi, Haiphong und Hue

1949
Unterstützung der Viet Minh durch China

1949
Die USA unterstützt nun die französische Kolonialmacht

1949
Formale Unabhängigkeit der Staaten Vietnam, Laos und Kambodscha

1950
Anerkennung der Demokratischen Republik Vietnam durch die Volksrepublick China und der Sowjetunion

1951
Rückzug der Franzosen aus Gebieten im Norden

1952
Landreformen in Nordvietnam durch Viet Minh

Ende 1953
Schlacht von Dien Bien Phu

26. April 1954
Indochinakonferenz in Genf

1954
Errichtung der Diem Diktatur in Südvietnam

1955
Entscheidung Eisenhowers zur bedingungslosen Unterstützung des Diem Regimes

1955
Bruch der Genfer Vereinbarung, Aussetzung der Wahlen und gefälschtes Referendum

1956
Proklamation von Südvietnam aus Furcht vor einem Sieg der Kommunistischen Partei werden keine Wahlen abgehalten

1958
Beginn des Bürgerkriegs – Militärische Unterstützung für Südvietnam durch die USA

1955 bis 1959
To-Cong-Kampagne (Denunziert die Kommunisten) seitens der Diem-Regierung

1957-1964
bis zu 4000 Attentate auf Diem Beamte

1961
US-Außenminister Dean Rusk und US-Verteidigungsminister McNamera begründen mit dem SEATO Vertrag den verstärkten US Einsatz welcher zur Eskalation des Konfliktes führt. In Folge dessen kommt es zu Sabotage Akten durch die CIA und der Entsendung von Spezialeinheiten des US Militär.

Mai 1961
Unter Anleitung des US Millitärs: Einsatz von geheimen südvietnamesischen Kommandos in Nordvietnam zur Durchführung von Sabotage.

1962
Steigerung der US Militärberater von 400 auf 16.575;
50.000 Luftangriffe, teilweise unter Einsatz von Napalm auf vietnamesische Dörfer

Ab März 1962
setzt das Diem Regime den Taylor-Stayley-Plan um. Dieser sah vor zahlreiche südvietnamesische Bauern in sogenannte Wehrdörfer umzusiedeln. In der lokalen Bevölkerung trifft der Plan auf Widerstand und scheitert.

Mai 1963
Das Diem Regime verbietet die buddhistische Flagge. In Folge dessen kommt es in HUE zu monatelangen schweren Unruhen die nach und nach ganz Südvietnam erfassen.

August 1963
Der Außenminister und Bruder Diems Ngo Dinh Nhu verhängt das Kriegsrecht

Oktober 1963
Nach Unstimmigkeiten zwischen der USA und dem Diem Regime veranlasst die US Regierung den Abzug von 1000 Militärberatern

2. November 1963
Mehrere Offiziere der ARVN (Armee Südvietnams) putschen erfolgreich gegen das Diem Regime. Trotz ihres Wissens über den Putsch informieren die USA Diem nicht und streiten später jegliche Beteiligung ab.

Zwischen Januar 1964 und Ende 1967
kommt es mit Wissen und Beteiligung der US Administration zu mehreren Putschen innerhalb des Millitärs. Unter Anderem weil sich führende Generäle um Verhandlungen mit Nordvietnam bemühten. In dieser Zeit gelingt es der NLF das zentrale Hochland Südvietnams und das Mekongdelta unter ihre Kontrolle zu bekommen.

22. November 1963
Tödliches Attentat auf US Präsident Kennedy. Johnson wird US Präsident

26. November 1963
Johnson erklärt Hilfe für Südvietnam gegen jedwede kommunistische Aggression

Ende 1964
befinden sich 23.300 US Militärberater in Südvietnam

September 1964
Verteidigungsminister McNamara bietet Nordvietnam im Gegenzug für die Anerkennung Südvietnams und dem Stopp der Unterstützung der NLF Wirtschaftshilfe an. Die nordvietnamnesische Regierung antwortet, dass sie nach Abzug des US Millitärs ein neutrales Südvietnam anerkennen werde. Die Verhandlungen enden ergebnislos.

1964
Die USA befindet sich im Wahlkampf: Johnson verspricht unter anderem keine Bodentruppen nach Vietnam zu entsenden.

31. Juli1964
„Tonkin-Zwischenfall“ – Das US Kriegsschiff Maddox befindet sich im Golf von Tonkin um die NVA auszuspionieren. Nachdem sich die nordvietnamesische Küstenwache mit drei Kleinbooten nähert eröffnet die Maddox das Feuer und versenkt eines. Unter Mitwirkung der NSA wird aus diesem „Zwischenfall“ ein nordvietnamesischer Angriff auf die USA. Am selben Abend verkündet der US Präsident als Antwort auf die „wiederholte unprovozierte Gewaltdelikte“ die Bombardierung Hanois. Der Angriff auf Nordvietnam war bereits seit Monaten geplant worden.

Januar 1965
Erstmaliger Einsatz des „Entlaubungsmittel“ Agent Orange seitens der US Armee

8. März 1965
Landung erster US Kampftruppen. Bis Januar 1968 werden es 548.000

30. Januar 1968
Beginn der Tet Offensieve

1. November 1968
Einstellung der Bombenangriffe auf Nordvietnam

1968
Mit dem Versprechen einen „Frieden mit Ehre“ auszuhandeln wird Richard Nixon zum nächsten US Präsidenten

2. September 1969
Ho Chi Minh stirbt

Dezember 1972
Mit 3500 Angriffen wird Nordvietnam elf Tage lang pausenlos bombardiert

27. Januar 1973
Unterzeichnung des Pariser Abkommens

30. April 1975
Einnahme Saigons durch die Nordvietnamesische Armee (NVA) und Kapitulation Südvietnams