Stadtteilspaziergang 2020 – Gentrifizierung – Stuttgart, eine Stadt der zahlungskräftigen Mieter*innen

Fallbeispiel: Stuttgart-Ost

Der Stuttgarter Osten ist im Wandel. Überall wird gebaut und überall wird es teurer und teurer… Es gibt alleine 3 Sanierungsgebiete in Stuttgart Ost und in Gablenberg wird unter dem Label der „Sozialen Stadt“ eine scheinbare Bürgerbeteiligung versucht zu inszenieren, um die kommenden teureren Mieten und Umgestaltungen auch zu legitimieren.

Bislang verschont geblieben ist Raitelsberg. Schaut man auf die sogenannte Miet-Map von Stuttgart, die den Durchschnittspreis von 2-Zimmer Wohnungen anhand von U- und S-Bahn Haltestellen, anzeigt, wird schnell klar, dass dies nicht lange so bleiben kann.
Und es gibt bereits auch Planungen dazu: Die SSN Group investiert aktuell 30 Millionen Euro in Raitelsberg um eine Wohnanlage mit dem Namen „dreizeit | Wohnen an der Villa Berg“ zu bauen.

Vorausgegangen war ein Deal mit der Stadt, wonach die SSN Group die Villa Berg, die SWR Studios und das SWR Parkhaus an die Stadt abtrat und dafür das Grundstück des früheren Betriebshofs in Raitelsberg bekam. Über den Kaufpreis wird geschwiegen. Die Fläche des Betriebshofs umfasst 3.770 qm, auf denen aktuell „freifinanzierte“ Wohnungen errichtet werden.

Die SSN Group (bzw. deren Vorgängerfirma PDI) hatte bereits am Killesberg einige Grundstücke gekauft und das sogenannte Maybach-Quartier errichtet. An wen sich dieses Quartier richtet wird bei den Miet- und Kaufpreisen klar, die bis zu 2,2 Millionen Euro pro Wohnung reichen.

Ob Maybach oder Mercedes…

Mit dem Titel „Wohnen an der Villa Berg“, der Summe von 30 Millionen Euro, die für die Investition aufgebracht werden und Kaufpreisen für 3-Zimmer Wohnungen ab 750.000 € wird ganz deutlich, dass kein billiger Wohnraum für alle geschaffen werden soll. Es geht um lukrative Anlagemöglichkeiten für einen kleinen Kreis von Menschen.
Was das letztlich für Raitelsberg bedeuten kann, lässt sich relativ einfach ablesen: Raitelsberg soll „aufgewertet“ werden und davon profitieren sollen nicht diejenigen, die aktuell in Raitelsberg wohnen oder die dringend eine Wohnung benötigen, sondern ein zahlungskräftiges Klientel.
Dies muss auch vor dem Hintergrund betrachtet werden, dass im Zuge der Erneuerung des Gaskraftwerkes am Neckar bereits über ein „Stadt am Fluss“-Konzept mit zahlreichen Wohnungen am Neckar nachgedacht wird. Die – in dem Fall – Höhenlage in Raitelsberg könnte dabei über der „Stadt am Fluss“ liegen und würde dementsprechend auch als Wohnviertel zunehmend begehrter werden.

Stadtaufwertung – Aufwertung ja, aber für wen?

Das Fallbeispiel mit dem Projekt „Wohnen an der Villa Berg“ ist dabei nur eins von zahlreichen Bauprojekten, die die sogenannte Stadtaufwertung aktiv vorantreiben.

Stadtaufwertung hört sich dabei ja eigentlich ganz gut an. Es soll etwas besser gemacht werden. Es soll alles viel besser und viel schöner werden – so sagt man uns. Dass es vielleicht wirklich besser und schöner wird kann zwar gut sein, jedoch nicht für uns.

Mit dieser Aufwertung – also der Umgestaltung der Stadt nach kommerziellen Interessen – geht die Verdrängung von einem Großteil der Bevölkerung aus diesen Teilen der Stadt einher: Die sowieso schon hohen Mieten steigen weiter und das Leben in Innenstadtnähe wird nahezu unbezahlbar.
Dies zeigt: Die Gestaltung des Wohnungsmarktes und der Stadtteile orientiert sich gewiss nicht an den Bedürfnissen der BewohnerInnen sondern unterliegt, wie alle Lebensbereiche, der kapitalistischen Verwertungslogik. Aus Wohnraum und dem Ausverkauf des Stadtteils werden Geschäfte gemacht von denen nur die Eigentümer und Spekulanten profitieren.

Was tun?

Mit MieterInnenversammlungen und MieterInnen-Initiativen gibt es bereits wichtige Ansätze zur konkreten Hilfe von Einzelnen. Um das nachhaltige Ziel einer Stadt zu erreichen, die sich nach den Bedürfnissen der Menschen richtet und nicht nach den Profiten, ist es notwendig sich zusammenzuschließen und gemeinsam für eine solidarische Stadt für alle zu kämpfen.

Gegen die Verdrängung von Mieter & Mieterinnen! Für eine Stadt für alle! Für eine Stadt, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert!


Auf unserer Themenseite findet ihr unser Positionspapier zur aktuellen Situation, weitergehende Informationen zum Stadtteilspaziergang, Vorträge und alles rund um den 1. Mai:

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Zusammen Kämpfen Stuttgart
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