26. Januar ’20: Gedenkkundgebung zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz

Niemand hat das Recht, sein Gehorchen als Vorwand für die Rechtfertigung seines Handelns zu benutzen. Gehorchen ist keine Rechtfertigung für Handeln.“ Hannah Arendt

Aufruf zur Gedenkkundgebung am 26.01.2020 um 15 Uhr an der Gedenkstätte „Zeichen der Erinnerung“ in der Otto-Umfrid-Straße, 70191 Stuttgart im inneren Nordbahnhof

Am 27.01.1945 erreichten die ersten Verbände der Roten Armee um 9 Uhr das Außenlager Auschwitz-Monowitz. Gegen 15 Uhr befreiten Rotarmisten auch das Stammlager sowie Auschwitz-Birkenau. Die meisten SS-Wachen waren geflohen und nur wenige leisteten Widerstand. Mit der Befreiung von Auschwitz beendete die Rote Armee auch die industrielle Vernichtung von Menschen.

Aus ganz Europa wurden Juden, Sinti und Roma und weitere Opfer, die nicht in die von den Nationalsozialisten definierte „Volksgemeinschaft“ gehörten, mit Zügen in Konzentrationslager wie Auschwitz deportiert und massenhaft ermordet. Mit der Befreiung durch die Rote Armee wurde dem größten Verbrechen in der Geschichte der Menschheit ein Ende gesetzt.

In Stuttgart-Nord wurden Juden, Sinti und Roma sowie andere Opfer des deutschen Faschismus zusammengetrieben und in Zügen nach Auschwitz, Riga, Izbica und Theresienstadt deportiert. Die durch einen beispiellosen Antisemitismus vorangetriebene Entmenschlichung der europäischen Jüdinnen und Juden führte dazu, dass weite Teile der Bevölkerung die Verbrechen vor ihrer Haustüre ignorierten oder dabei mitwirkten. Nach der Befreiung von Auschwitz und der militärischen Niederlage des Nationalsozialismus, gelang es vielen der TäterInnen in der neuen Bundesrepublik Deutschland zurück in ein ziviles Leben oder gar in Amt und Würde zu kommen. Der baden-württembergische Ministerpräsident Hans Filbinger war Nazirichter und hatte Todesurteile gegen Unschuldige verhängt. Er scheute sich nicht vor der Aussage: „Was damals rechtens war, kann heute kein Unrecht sein.“ So verwundert es nicht, dass bis heute eine faschistische Kontinuität in Staat und Bevölkerung existiert. Dass wohl aktuellste Beispiel dafür war der Versuch eines Neonazis schwerbewaffnet am 9. Oktober 2019 eine Synagoge zu stürmen und ein Massaker an den rund 70 Jüdinnen und Juden anzurichten. Der Neonazi scheiterte glücklicherweise an der versperrten Türe der Synagoge. Der NSU beging von 2000 bis 2007 zehn Morde, verübte darüber hinaus 43 Mordversuche und 3 Sprengstoffanschläge. Im NSU-Umfeld befanden sich unter den 150 bis 200 geschätzten Unterstützern rund 40 V-Männer, die Geld von Verfassungsschutz und damit vom deutschen Staat erhielten. Neben faschistischen Gewalttaten und deren Unterstützung oder Verharmlosung durch den deutschen Staat gibt es darüber hinaus den Versuch von einigen Abgeordneten der AfD die Erinnerung über den Holocaust aus dem Gedächtnis zu löschen oder wenigstens umzudeuten. Dies zeigen nicht nur Aussagen wie die des AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland, der dieses Kapitel als einen Vogelschiss in der Geschichte bezeichnet oder Björn Höcke, der gar eine 180-Grad-Wende in der Erinnerungskultur fordert.

Am 27.01.2020 jährt sich die Befreiung von Auschwitz zum 75. Mal. An diesem Tag möchten wir gemeinsam die Erinnerung an dieses Verbrechen aufrechterhalten, den Opfern gedenken, und für die Zukunft mahnen. Gleichzeitig aber auch Mut machen und dazu befähigen, den Kampf gegen Faschismus aufzunehmen und dem gesellschaftlichen Rechtsruck ideologisch und auf der Straße entgegenzutreten.

 

Eine Initiative von Mauthausen Komitee Stuttgart e. V. & Zusammen Kämpfen Stuttgart