Gewalt gegen Frauen* … hat System

Zum diesjährigen 25. November, dem internationalen Frauenkampftag, haben wir uns gemeinsam mit anderen feministischen und fortschrittlichen Gruppen an der Demonstration des Frauenbündnis Stuttgart beteiligt. Mit einem Transparent, Flugblättern und einer Rede konnten wir unsere inhaltliche Analyse zur Thematik platzieren. Dem Aufruf zu den politischen Aktionen folgten um die 250 Menschen. Es gab diverse Infostände, an denen sich die Passant innen zum Thema informierten und mit den Veranstalterinnen in Diskussion kamen.

Im Folgenden unser Redebeitrag:

Rede von Zusammen Kämpfen zum 25.11.19

Liebe Genossinnen, liebe Freundinnen, liebe Passantinnen,

In unserer Gesellschaft ist Gewalt gegen Frauen* alltäglich und wird beinahe als naturgegeben hingenommen.

Die Gewalt kann sich dabei in verschiedensten Formen ausdrücken: Die häufigsten Übergriffe auf Frauen* finden jedoch im häuslichen Umfeld durch (Ehe-)Partner oder männliche Familienmitglieder statt. Über psychische, emotionale, physische oder sexuelle Angriffe wird die Frau* in ihrem Erscheinungsbild, ihren Entscheidungen und Verhaltensweisen kontrolliert, konditioniert und dadurch der Besitzanspruch über die Frau* und ihren Körper durchgesetzt.

Auch im öffentlichen Raum wird durch Gewalt auf Frauen* eingewirkt, um ihre Bewegungsfreiheit und ihr Verhalten zu lenken: Wo sich Frauen* z.B. nachts mit wem aufhalten, wie sie dabei gekleidet sein sollten und wie sie auf Männer zu reagieren haben.

In der breiten Öffentlichkeit und den Medien wird jedoch von Ehedramen, Eifersuchtstaten und Einzelschicksalen geredet und kein Zusammenhang zwischen den Gewalttaten hergestellt.

Doch das was hier individualisiert wird, hat System. Es ist zurückzuführen auf sys temische Unterdrückungsverhältnisse – das Patriarchat und den Kapitalismus.

Das Patriarchat beinhaltet in seiner Herrschaftsform die Unterdrückung der Frau* durch den Mann und wirkt auf vielen Ebenen. Die Basis des Patriarchats ist hier die körperliche un d psychische Gewalt ohne die die Unterdrückung nicht durchsetzbar wäre. Der patriarchal konstruierte Besitzanspruch des Mannes über die Frau* gilt auch auf Grund der patriarchalen Tradition in weiten Teilen der Gesellschaft als unhinterfragte Selbstverständlichkeit.

Der Kapitalismus seinerseits macht sich das Patriarchat zu Nutze und hat dessen Wirkmechanismen integriert. Denn die zementierten Rollenbilder bringen der kapitalistischen Mehrwertproduktion einen großen Vorteil: So verüben Frauen* in unserer Gesellschaft etwa 80% der unbezahlten Haus und Sorgearbeit wie Putzen, Kochen, Waschen und insbesondere die Kindererziehung. Darüber hinaus ist ein Großteil der Frauen werktätig, unterliegt also einer doppelten Belastung und verdient im gleichen Atemzug durchschnittlich 21% weniger, als ein männlicher Kollege.

Dadurch entstehen ökonomische Abhängigkeiten der Frau* gegenüber dem Mann, welche durch gesellschaftliche Konstrukte, wie z.B. der Ehe noch zementiert und gesetzlich festgeschrieben werden.

Diese Abhängigkeiten bieten der patriarchalen Gewalt einen Nährboden, da sich die Frau*

in einer benachteiligten Situation gegenüber dem Mann befindet. Doch so wie es ist muss es nicht bleiben!

Ganz im Gegenteil: Unser Ziel muss sein der herrschenden Gewalt gegen Frauen den Kampf anzusagen und die tatsächliche Befreiung der Frau zu erkämpfen. Dies kann nur passieren, in dem wir sowohl die Wirkmechanismen des Patriarchats, als auch des Kapitalismus angreifen und uns die Befreiung der Frau und das Ziel einer befreiten Gesellschaft auf die Fahne schreiben.

Vorbilder gibt es dabei einige: Sei es die weltweit erstarkende Frauenbewegung, die sich u.a. durch die Frauenstreiks und die starken 8. März Proteste ausdrücken, oder sei es die sich selbstorganisierende Frauenbewegung in Rojava. Sie alle zeigen: Widerstand gegen das Patriarchat ist machbar, ist stark und ist – verknüpft mit einer Perspektive einer befreiten Gesellschaft unaufhaltbar.

Nehmen wir uns also der Aufgabe an: Kämpfen wir f ür die Befreiung der Frau. Kämpfen wir für eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung.

Heute, am 25. November – dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, am 08. März – dem internationalen Frauenkampftag, aber auch an jedem anderen Tag im Jahr.

Frauen, die kämpfen sind Frauen, die leben.