Wohnungspolitik im Kapitalismus

mietdifferenz_neubauZunächst einmal: Wir leben im Kapitalismus, der jeden Bereich unseres Lebens durchdringt und ganz getreu dem Zwang zur Verwertung und zur Profiterwirtschaftung dieses überall durchführt. Durch die Veränderung der Produktionsverhältnisse (und dem Ausbau der Infrastruktur) hat sich die Rolle der Städte massiv gewandelt: Früher waren sie Hauptstätte der industriellen Produktion – weswegen auch seit wenigen Jahrzehnten weltweit mehr Menschen in den Städten leben als auf dem Land. Jetzt sind die Städte Knotenpunkt von Dienstleistung und Konsum.
Um kurz darauf einzugehen: Durch die Tertiarisierung, also den massiven Ausbau des Dienstleistungssektors im Gegensatz zur industriellen Produktion haben sich die Produktionsverhältnisse geändert und damit auch das Antlitz der Städte selbst: Von Fabriken wurden sie zur Heimat von Büros, in denen die ArbeiterInnen getrennt voneinander arbeiten. D.h. von einem funktionalen Charakter (zur Produktion) haben die Städte sich hin zu einer repräsentativen Funktion entwickelt und dementsprechend sollen auch diejenigen, die nicht in das gewünschte Bild passen vertrieben – und dies alles unter der Maxime der Profitmaximierung.
Die Verdrängung von den Menschen, die die Stadt eigentlich erst produzieren (Mehrwert, Reichtum) und reproduzieren, konnte erst durch den Ausbau der Infrastruktur möglich werden: Während früher die ArbeiterInnen in der Stadt wohnen musste, um zur Arbeit zu kommen, ist diese heute nicht mehr nötig und Pendeln ist etwas alltägliches geworden. Somit muss die Stadt keinen Platz mehr für die Produzierenden / ArbeiterInnen übrig haben, sondern kann sie durch und durch den Profitinteressen unterwerfen und das jeweilige Klientel wird versucht in die Städte zu locken. Ein Klientel, das auch in der Lage ist zu konsumieren – im Gegensatz zum Großteil der Bevölkerung. Die Folge für den Großteil der Bevölkerung sind: Steigende Mieten (auch im Umland (denn je mehr da hin ziehen (müssen), desto attraktiver wird ja auch dieser Standort, Transportkosten und Unterhaltskosten. Zusätzlich zu der Ausbeutung durch Lohnarbeit werden damit wir alle ein zweites Mal ausgebautet.
Doch damit nicht genug, denn die Neugestaltung bzw. Umgestaltung der Stadt nach Profitinteressen hat noch weitere Effekte: Mit dem Abriss wird bisheriger Wert vernichtet, es wird Kapital investiert bzw. gebunden und durch den Neu Aufbau ein neuer Wert bzw. eine Wertsteigerung geschaffen. Also um es ganz konkret zu sagen: Um ein Viertel umzugestalten muss viel Geld fließen, die Baufirmen wollen bezahlt werden, der Investor braucht Kredite … somit ist die Stadt selbst schon zwangsläufig ein Spekulationsobjekt, da im Vorfeld Unmengen an Geld fließt, das ja später auch wieder vermehrt rauskommen muss. Durch die Langlebigkeit (gerade von Infrastruktur) lohnt sich dann auch die Investition.
Somit wird die Stadt zum Privileg für diejenigen, die es sich leisten können und damit wird Verdrängung von Mieterinnen und Mietern zum Programm.

Gerade also in der Zeit in der Kapital überakkumuliert wird und es ein Mangel an neuen Absatzmärkten gibt werden Immobilien attraktiv als Anlage, da sie langfristige Projekte sind und gewinnversprechend sind, da alle Wohnungen brauchen. Und selbst vor der Vermietung ist das Kapital im Fluss durch Kredite und Wertvernichtung. Damit ist auch die Investition in die Stadt bzw. in den Ausverkauf der Stadt auch ein Mittel zur Verzögerung von Krisen, da Kapital gebunden ist und es in gewisser Weise ein weiterer lukrativen Absatzmarkt ist.