Die Stadt gehört uns allen!

Aufwertung heißt Verdrängung – Gemeinsam gegen den Ausverkauf der Stadt!

Die Stadt gehört uns allen!Geht man in Stuttgart auf Wohnungssuche, so findet man kaum noch Wohnungen unter 9€ pro Quadratmeter. Insbesondere in den Innenstadtbezirken steigen die Preise stetig und selbst offizielle Zahlen (der Mietspiegel 2015/2016) sagen, dass das Mietspiegelniveau innerhalb der letzten zwei Jahre um 7,7 Prozent angestiegen ist. So kommt es auch, dass ein immer größerer Anteil des Einkommens für die Miete gezahlt werden muss.
Eine logische Folge ist, dass immer mehr Menschen sich das Leben in den Innenstadtbezirken nicht mehr leisten können und an den Rand gedrängt werden. Gerade Menschen, die kein regelmäßiges Einkommen haben, erwerbslos sind oder im Niedriglohnsektor arbeiten sind besonders von der systematischen Verdrängung betroffen.
Diese Entwicklung macht auch nicht vor dem Stuttgarter Osten Halt: Stöckach und jetzt Gablenberg sind nur die Vorboten für das was die nächsten Jahre kommen wird. Bereits jetzt gibt es Mietsteigerungen von bis zu 67%, was dazu führt, dass die alten MieterInnen verschwinden und neue, finanziell besser aufgestellte MieterInnen hinzukommen.

Wir möchten diese Entwicklung und die Konsequenzen dieser Entwicklung des damit verbundenen Ausverkaufs der Stadt näher beleuchten, um Möglichkeiten des Protests daraus zu entwickeln. Denn für uns ist klar: Die Stadt gehört uns allen!

Mietpreisentwicklung in Stuttgart

Laut Mietspiegel für 2015/2016 ist das Mietspiegelniveau in Stuttgart um 7,7 % angestiegen. Die Mieten stiegen von April 2012 bis April 2014, je nach Baualter, zwischen 2,6 % und 9,2%.
Der Mietspiegel sagt, dass das Kaltmietenniveau in Stuttgart gegenwärtig bei 8,44 € liegt. Laut Immobilienbörsen, die sich natürlich nur aus den eingepflegten Wohnungen ihre Zahlen holen, ist das aber weit untertrieben. Hier ein kleiner Überblick:

wohnungsboerse.net

schreibt über einen durchschnittlichen Mietpreis von 11,79 €.
Hier einen Überblick der m² Preise in Stuttgart im Vergleich zu Baden-Württemberg und der BRD:

Wohnungen bis  |  m²-Preis
                Stuttgart  |  BaWü   |     BRD
30 m²        16,14 €    |  11,78 €   |      9,27 €
60 m²       10,22 €    |    8,14 €   |      6,42 €
100 m ²    11,84 €    |    8,25 €   |    7,53 €

Für Stuttgart-Ost wird der durchschnittliche Mietpreis auf wohnungsboerse.net auf 11,03 € betitelt.

Immobilienscout

Für Stuttgart Ost wird der Mietpreistrend im Vergleich zum letzten Jahr auf +6,12% betitelt und auf 10,50 € gesetzt.

Immowelt.de

Wohnungen bis  |  m²-Preis
40 m²                        |  19,98 €
40 – 80 m²               |   15,16 €
80 – 120 m²             |  12,87 €
ab 120 m²                 |  12,47 €

Der Stuttgarter Durchschnitt lag im Dezember 2014 bei 14,62 €.
Diese Zahlen gelten dabei nur für Gesamt-Stuttgart. Eine gesonderte Untersuchung für die Innenstadt liegt nicht vor. Aber es ist klar, dass man fürs Wohnen in Innenstadtnähe mehr bezahlt als für Wohnungen in den Randbezirken, auch wenn das Wohnen in den Randbezirken auch stetig teurer wird.
Doch wir wollen uns das Ganze noch im gesellschaftlichen Kontext anschauen und werfen einen Blick auf das…

Verhältnis Einkommen <-> Mieter

focus_mieteLaut Focus liegt das Gehaltsniveau in Stuttgart bei 114,7%, während das Mietkostenniveau bei 138,1% liegen.
Laut Immonet liegt in Baden-Württemberg der Anteil der Kaltmiete an Monatseinkünften bei 36%. Das klingt erstmal nicht viel. Das Durchschnittseinkommen wird aber netto bei 1897,67 € beziffert und die Durchschnittskaltmiete bei 686,01 €. Was beim Einkommen deutlich übertrieben und bei der Miete zwar realistischer, aber vermutlich immer noch untertrieben ist.
Dabei dürfen wir nicht außer Acht lassen, dass es sich hierbei um Zahlen für ganz Baden-Württemberg handelt und das Wohnen in Großstädten deutlich teurer als auf dem Land ist.
Dazu kommt noch, dass laut Stuttgarter Mietspiegel, der Preisanstieg in Stuttgart deutlich über dem Preisanstieg im restlichen Baden-Württemberg liegt.
Der Immobilienverband Deutschlands ging in einer Untersuchung von 2012 sogar noch von 20 % des Einkommens aus, was für die Miete aufgewendet werden müsste. Diese Zahlen waren bereits damals irrwitzig. Gegengerechnet kommt man bei einem Durchschnitteseinkommen von 1.542 Euro (die Zahl stammt vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW)) und der oft nicht realistischen Kaltmiete von 686 € auf einen Anteil von 44 %.

Und auch hier gilt wieder: Das sind Durchschnittswerte für ganz Stuttgart und für alle Verdiener.

Was schließen wir daraus?

Dies zeigt einmal mehr: Die Gestaltung des Wohnungsmarktes und der Stadtteile orientiert sich gewiss nicht an den Bedürfnissen der BewohnerInnen sondern unterliegt, wie alle Lebensbereiche, der kapitalistischen Verwertungslogik. Aus Wohnraum und dem Ausverkauf des Stadtteils werden Geschäfte gemacht von denen nur die Eigentümer und Spekulanten profitieren.
Dies passiert ganz im Sinne des Systems in dem wir leben: Ein System, das sich nicht an den Bedürfnissen der Menschen orientiert, sondern an dem Profit der dadurch erwirtschaftet werden kann. So ist es auch notwendig zu betonen, dass dies kein Fehler eines einzelnen „Spekulanten“ ist, sondern logische Konsequenz dieses Systems, dass die Verwertbarkeit über die Bedürfnisse der Menschen stellt.
So verwundert es also auch nicht, dass nicht nur in Stuttgart, sondern weltweit Städte, Stadtteile oder ganze Regionen vermeintlich aufgewertet werden. Doch es verwundert auch nicht, dass zahlreiche Menschen dies nicht mehr hinnehmen wollen und sich gegen diese Maßnahmen wehren:
Seien es:

  • verhinderte Zwangsräumungen in den USA, Frankreich, Italien, Spanien und Berlin,
  • Platzbesetzungen und MieterInnen Camps in Innenstädten,
  • Mietstreiks,
  • das Stören von Besichtigungstouren oder Auktionen.

Auch hier in Stuttgart gilt es der geplanten Verdrängung unseren Widerstand entgegenzusetzen und wir werden versuchen einen Teil dazu beizutragen.

Möglichkeiten des Protests

Es stellt sich natürlich auch die Frage wie das geschehen kann… Für uns ist klar, dass nur durch die Verknüpfung der verschiedenen Thematiken die Problematik voll und ganz greifbar gemacht werden kann und auch dagegen vorgegangen werden kann. Denn nicht nur die Tatsache der hohen Mieten ist ein Problem, sondern ebenfalls, dass ein Großteil der Menschen nicht mehr erwerbstätig sind oder im Niedriglohnsektor beschäftigt sind und sich somit beispielsweise eine Wohnung in innenstadtnähe nicht mehr leisten können.
Konsequenz daraus ist, dass es zum Privileg wird in der Stadt zu wohnen und ein Großteil der Bevölkerung aus der Stadt gedrängt wird.
Das heißt einerseits haben wir es mit der konkreten Problematik der Wohnungsnot und -knappheit, aber auch mit der Verdrängung eines Großteils der Bevölkerung zu tun, andererseits aber mit einem viel umfassenderen Problem: einem System, das den Profit vor die Bedürfnisse der Menschen setzt.

Auf die Frage: Was können wir dem entgegen setzen?
Können wir nur antworten: Alleine uns und unsere Kraft. D.h. uns zusammenzuschließen, uns gegen diese Verhältnisse zu wehren und uns gegenseitig bei den Problemstellungen, die es gibt zu unterstützen. Seien es Zwangsräumungen, Probleme beim Amt oder sonst irgendwo.
Ein konkreter Ansatzpunkt sind unabhängige und selbstverwaltete Räume, wie z.B. in Stuttgart Ost das selbstverwaltete Stadtteilzentrum Gasparitsch. Ein Ort an dem Menschen mit unterschiedlichen oder mit den gleichen Problemen zusammenkommen können, sich austauschen und sich unterstützen können. Ein anderer Ansatzpunkt ist sich zu themenspezifischen Punkten zusammenzusetzen und gemeinsam zu schauen wie wir diesen Verhältnissen etwas entgegensetzen können, wo mögliche Ansatzpunkte sind, die individuellen Probleme zu verallgemeinern.
Darüber hinaus gilt es sich auch zu der konkreten Thematik zusammenzuschließen. In Stuttgart Ost hat sich ein Mietertreffen gegründet das versucht Protest gegen die oben skizzierte Entwicklung zu entfalten.
Nicht zuletzt muss es aber auch darum gehen die Systematik, die hinter dieser Entwicklung steht festzustellen und gegen diese vorzugehen.

Daher:
Schließen wir uns zusammen im Kampf gegen den Ausverkauf der Stadt!
Werden wir aktive MieterInnen!